Brandschutz & Krisenvorsorge
Ein Informationsangebot der INURI GmbH zur Brandschutzaufklärung und Notfallvorsorge im privaten Lebensbereich.
Kontakt: brandschutzaufklaerung@inuri.de
Autor: Dr.-Ing. Matthias Münch
Brandereignisse in Hochhäusern führen bei Bewohnern dieser Häuser zu großen Sorgen und Ängsten. Dieser mehrteilige Artikel erläutert die besonderen baulichen, technischen und organisatorischen Maßnahmen sowie das feuerwehrtaktische Vorgehen bei Brandeinsätzen in Hochhäusern. Sie erhalten Informationen über Sinn und Funktionsweise gebäudetechnischer Brandschutzeinrichtungen – wie Sicherheitstreppenräume, Steigleitungen und Feuerwehraufzüge – und deren gezielten Nutzen für eine effektive Gefahrenabwehr. Sie erhalten fundierte Einblicke in strukturelle Risiken sowie Handlungsempfehlungen für das richtige Verhalten von Bewohnern und den strukturierten Einsatz der Feuerwehr im Brandfall. Der mehrteilige Artikel soll dazu beitragen, dass Bewohner von Hochhäusern die speziellen Sicherheitsvorkehrungen kennen und deren Manipulation oder Beschädigung als ernst zu nehmendes Sicherheitsproblem wahrnehmen.
In der Wohnung bleiben, Wohnungstür schließen. Rufen Sie die Feuerwehr (112). Innentüren schließen und in einen rauchfreien Raum gehen. Türspalten mit nassen Tüchern abdichten. Wenige Atemzüge Brandrauch sind tödlich. Teilen Sie der Feuerwehr unter 112 genau mit, wo Sie sich befinden und wie viele Menschen bei Ihnen sind. Die Einsatzzentrale gibt diese Angaben an die anrückenden Einsatzkräfte weiter. Machen Sie sich gegebenenfalls zusätzlich am Fenster bemerkbar und achten Sie auf Signale der Rettungskräfte im Flur.
Details erfahren Sie im Abschnitt „2. Vorbereitung & Verhalten“ des Fachartikels und schauen Sie sich auch den verlinkten YouTube-Film „Brand im Treppenraum“ an.
Mehr Informationen und Zusammenhänge hier:
Nein, im Brandfall ist der Aufzug tabu. Brandrauch kann in den Aufzugsschacht eindringen, und der Aufzug könnte in die Brandetage fahren oder dort stehen bleiben. Verlassen Sie das Gebäude ausschließlich über ein sicher rauchfreies Treppenhaus.
Einzige Ausnahme: spezielle Evakuierungsaufzüge.
Details zum richtigen Verhalten mit Aufzügen erfahren Sie im Abschnitt 2.1 c des verlinkten Fachartikels.
Mehr Informationen und Zusammenhänge hier:
Einsatztrupps führen Hauben für zu rettende Personen mit. Diese verfügen entweder über einen Kohlenstoffmonoxidfilter oder werden an die Atemluftversorgung der Feuerwehr-Einsatzkräfte angeschlossen.
Mehr Informationen und Zusammenhänge hier:
Strickleitern oder Rettungsseile als Rettungsweg aus höheren Geschossen sind eine lebensgefährliche Illusion! In Abschnitt 4 des Artikels erfahren Sie, dass die Rettung über die Hochhausfassade ohne professionelle Ausbildung, ständige Übung und Ausrüstung zum Absturz führt. Nutzen Sie stattdessen die baulichen Schutzvorkehrungen, die in Teil 1 der Artikelserie Feuer im Hochhaus erklärt werden.
Mehr Informationen und Zusammenhänge hier:
Eine der größten Horrorvorstellungen: in der eigenen Wohnung vom Feuer eingeschlossen. Die Flucht aus der Wohnungstür wird durch Feuer und Rauch versperrt, aus dem Fenster geht es nur in die Tiefe. Eine Situation, wie sie vor allem in Hochhäusern vorkommen kann.
Was kann man tun? Sollte man sich eine Strickleiter oder ein langes Seil kaufen? Hat die Feuerwehr Einsatzgeräte, um die eingeschlossenen Menschen mit der Drehleiter, der großen Arbeitsbühne oder einem Hubschrauber zu retten?
All diese Fragen und diverse Lösungsvorschläge erscheinen regelmäßig in Diskussionen zu Bränden in Hochhäusern, besonders nach Brandereignissen, in denen Menschen zu Schaden gekommen sind. In der Regel haben sich nur wenige Menschen zuvor einmal kundig gemacht, sich mit dem Brandschutz und der eigenen Sicherheit beschäftigt.
Im Teil 1 erfahren Sie:
Hier im Teil 2 erfahren Sie
Ich hoffe, dass Ihnen diese Informationen helfen die Zusammenhänge besser zu verstehen und sich besser auf einen Brand in Ihrer eigenen, Wohnung vorzubereiten.
Wie im ersten Teil im Abschnitt 1 beschrieben, führen die Rettungswege im Hochhaus über den Treppenraum. Die Feuerwehr wird ihren Löschangriff und die Rettung von Personen auch über diesen Treppenraum vornehmen. Hierzu muss die gesamte Einsatzausrüstung
Kennzeichen Feuerwehraufzug
Bildquelle DIN ING2015
Der im Hochhaus verbaute Brandschutz unterstützt nun die Feuerwehr. Aufgrund des Prinzips der Abschottung müssen in der Regel nicht alle Bewohner aus allen Geschossen des Hochhauses evakuiert werden. In den meisten Fällen genügt es, wenn die Feuerwehr zunächst nur die Brandetage räumt. Je nach Brandereignis werden dann noch die darüberliegenden und darunterliegenden Wohnungen kontrolliert.
Ist der Gebäudebrandschutz hingegen in einem schlechten Zustand, z.B. weil bei Wartungs- oder Baumaßnahmen Regeln nicht eingehalten wurden oder Bewohner selbstschließende Brand- und Rauchschutztüren außer Funktion setzen, kann die Lage sehr schnell eskalieren.
Um vom Brandrauch eingeschlossene Personen durch verrauchte Bereiche in Sicherheit zu bringen, führen die Einsatztrupps Brandflucht- oder Rettungshauben mit, die den zu rettenden Personen aufgesetzt werden. Diese Hauben verfügen entweder über einen Kohlenstoffmonoxidfilter oder werden an die Atemluftversorgung der Einsatztrupps angeschlossen.
Funktioniert das Prinzip der Abschottung, müssen diese Personen dann nur eine Etage tiefer gebracht werden. Dort können sie dem Rettungsdienst zur Beobachtung oder Behandlung übergeben werden oder den Weg ins Freie selbst fortsetzen.
Fluchthaube mit Filter (links) und Rettungshaube mit Anschluss an Atemschutzgerät der Feuerwehr-Einsatzkraft (rechts), Bildquelle MSA Safety Company
Rettungshaube mit Anschluss an Atemschutzgerät der Feuerwehr-Einsatzkraft.
In schwierigen Lagen, z.B. eine Person droht zu springen, wird die Feuerwehr natürlich versuchen, auch Möglichkeiten einsetzen, die für den Einsatz bei Hochhäusern eigentlich nicht vorgesehen sind. Häufig scheitert der Einsatz dieser Mittel aber bereits an den fehlenden örtlichen Voraussetzungen bzw. der Einsatz basiert allein auf der Hoffnung, dass der Schaden etwas geringer ausfällt, da die Einsatzgrenzen der Rettungsgeräte überschritten werden (siehe Teil 1, Hochhausbrand am 14. August 2026 in Berlin).
Immer wieder tauchen in Diskussionen Fragen und Lösungsvorschläge auf, werden scheinbar revolutionäre, nie dagewesene, alles in den Schatten stellende Geräte und Hilfsmittel beworben oder die Einsatzkräfte der Feuerwehr als unfähig beschimpft.
Einige der Ideen und Vorschläge will ich hier kommentieren:
Tatsächlich werden von der Industrie Feuerwehrleitern mit Arbeitshöhen von 60 m angeboten. Allerdings gerät man hier dann auch an technische und ganz praktische Grenzen. Schon für den Einsatz der bei den Feuerwehren verwendeten kleineren 30 m Standard-Drehleitern gelten Beschränkungen:
Bereits diese Aufzählung zeigt, dass der Einsatz von Leitern als Ersatz für sichere bauliche Rettungswege in Hochhäusern keine Alternative ist. Viel sicherer und wesentlich effizienter ist der Weg durch den Treppenraum. Es liegt daher in der Eigenverantwortung der Wohnungsbenutzer im Brandfall bis zur Wohnungstür zu gelangen. Der Aufwand für einen Einsatz derartiger Leitern als zusätzliche Alternative für die Fälle, in denen es Menschen nicht zur Wohnungstür schaffen, ist dann vor allem eine gesellschaftspolitische Frage. 100%-ige Sicherheit gibt es nicht. Das ist somit das Restrisiko, mit den daraus resultierenden Opfern, welches wir als Gesellschaft derzeit akzeptieren.
Einsatz einer „30 m“ Drehleiter an einem Wohngebäude unterhalb der Hochhausgrenze.
Magirus Drehleiter mit 64 m Leiter und Fahrstuhl der Londoner Feuerwehr.
Rettungshöhe 60 m, Korb für 3 Personen
26.000 kg Gesamtgewicht
Bildquelle: Magirus
Vereinzelt verfügen Feuerwehren über Fahrzeuge, die über die Rettungshöhen der klassischen „30 m Drehleitern“ hinausreichen. Dies können Drehleitern mit längeren Leitern aber auch Fahrzeuge mit Gelenk- oder Teleskopmasten sein.
Wie im Teil 1, Abschnitt 1 erläutert, sieht das Baurecht die Selbstrettung über die baulichen Treppenräume vor. Deshalb fehlen in der Regel bei Hochhäusern die baulichen Voraussetzungen für den Einsatz derartiger Einsatzmittel
Viel sicherer und wesentlich effizienter ist der Weg durch den Treppenraum. Es liegt daher in der Eigenverantwortung der Wohnungsbenutzer im Brandfall bis zu Wohnungstür zu gelangen.
Rettungskorb einer Feuerwehr-Drehleiter
Die häufig in den Medien noch erwähnten Sprungtücher sind durch Sprungpolster ersetzt worden. Bei deutschen Feuerwehren wird hauptsächlich das Sprungpolster vom Typ SP16 vorgehalten.
Sprungpolster SP16, aufgeblasen am Turm der Messe Berlin
matchbox 2018 auf der Messe Berlin
Für das SP16 ist eine freie und ebene Grundfläche von 4 x 4 m ohne Glasscherben, spitze Gegenstände, Hindernisse, Büsche, Fahrradständer, usw. erforderlich. Es ist bis zu Einsprunghöhen von 16 m geeignet. Dies heißt allerdings nicht, dass der Einsprung verletzungsfrei ist. Es ist nur besser, als auf den harten Boden aufzuschlagen.
Die Vornahme eines solchen SP16 ist also immer auch mit dem Prinzip Hoffnung verbunden. Der Erfolg hängt dabei nicht nur von der Einsprunghöhe selbst, sondern auch von der Art und Weise ab, wie und wo der fallende Mensch in das Sprungpolster einschlägt.
Die Sprungpolster benötigen auf den Feuerwehrfahrzeugen relativ viel Platz, der dann für andere Gerätschaften fehlt. Da ein an einem Fenster hängender Mensch irgendwann keine Kraft mehr hat, müssen Sprungpolster schnell an der Einsatzstelle verfügbar sein. Die Berliner Feuerwehr führt daher auf jedem Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeug ein solches Sprungpolster SP16 mit. Einsatzziel sind hierfür aber eher die zahlreichen Berliner Hinterhöfe.
Warum seilen sich die Feuerwehreinsatzkräfte nicht vom Dach bis zur brennenden Etage ab, um die Person am Fenster/Balkon zu retten?
Spezialeinsatzkräfte, die sich von Dächern abseilen können, gibt es auch bei einigen Feuerwehren in sogenannten Höhenrettungsgruppen. Die Ausbildung und das ständige Training für diese sehr spezielle Tätigkeit sind sehr aufwendig, die breite Masse der Feuerwehr-Einsatzkräfte ist daher darin nicht geschult. Die Idee bereitet im Einsatz auch noch ein paar andere Schwierigkeiten:
Praktisch sind diese Voraussetzungen nicht gegeben und derartige Aktionen müssten zudem in einer so kurzen Zeitdauer stattfinden, in der die zu rettende Person sich noch in ihrer prekären Lage festhalten kann.
Ein sehr häufiger Lösungsvorschlag ist es, sich eine Strickleiter oder ein Rettungsseil zu kaufen und sich dann aus der Brandwohnung durch das Fenster selbst zu retten?
Selbsttest-Station: Selbstrettung mit Strickleiter entlang einer Wand.
matchbox 2017 in Gelnhausen
Die Frage ist, ist dieser Lösungsansatz im Brandfall auch praktikabel?
Für eine Kundenfachveranstaltung habe ich eine derartige Situation als Selbsterfahrungsexperiment entworfen. Durch Spezialkräfte des THW gegen Absturz gesichert, konnten die Teilnehmer aus einem Fenster aussteigen, um dann ein kurzes Stück Strickleiter an einer Wand herabzuklettern. Einfach war das nicht, schnell ging das auch nicht, fast alle wären im Brandfall abgestürzt.
Wenn Sie immer noch von Ihrem >>Rettungssystem<< überzeugt sind, probieren Sie das Ganze erst einmal auf einem Kletterparcours aus bzw. fragen Denjenigen, der mit derartigen Vorschlägen kommt, ob er Ihnen das mal auf einem Kletterparcours zeigen und beibringen kann.
Unter Berücksichtigung der anderen Handlungsoptionen halte ich eine solche Lösung in Deutschland für unnötig lebensgefährlich.
Autor: Dr.-Ing. Matthias Münch
Veröffentlicht: INURI GmbH
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INURI GmbH - Brandschutz und Gefahrenabwehr
Hochhausbrandbekämpfung
Das Einsatzmaterial muss in die Brandetage.
Was das bedeutet, kann jeder ausprobieren. Ziehen Sie sich warm an, z.B. mit Winterstiefeln, gefütterter Hose, einem Wintermantel und eine Wollmütze. Setzen Sie eine FFP-Maske für den Atemwiderstand und einen 20 kg schweren Rucksack auf. Nehmen Sie dann noch einen Getränkekasten in die Hand und laufen Sie schnell in ein oberes Stockwerk. In der Etage angekommen absolvieren Sie dann umgehend eine Kraft-Fitnessübung, da die eigentliche Feuerwehrarbeit hier erst anfängt.
Feuerwehreinsätze in Hochhäusern sind personalaufwendig und kräftezerrend.
In neueren Hochhäusern werden die Aufzüge daher speziell ertüchtigt, so dass sie die Feuerwehr beim Transport von Einsatzkräften und Material unterstützen können. Diese sogenannten Feuerwehraufzüge kann im Brandfall nur noch die Feuerwehr steuern. Sie stehen den Bewohnern nicht mehr zur Verfügung.
Anforderungen an die Zufahrten, Aufstellfläche
und die Anleiterbarkeit
Die Standard-Drehleiter hat einen etwa 30 m langen Leiterpark, der aber nicht ganz senkrecht aufgestellt werden kann. Diese Drehleitern werden als zweiter Rettungsweg für die Nicht-Hochhäuser vorgehalten und erreichen unter günstigen Anleiterwinkeln etwa das 7. OG.
Für den Drehleitereinsatz müssen vor Ort mehrere Voraussetzungen erfüllt sein:
Für höherreichende Rettungsgeräte erhöhen sich die Anforderungen an Größe und Befestigung der Zufahrten und Aufstellflächen.
Sprungpolster
Sprungpolster sind mit einer Pressluftflasche aufblasbare Schlauchgerüste, die einen von gelochten Folien umschlossenen Lufthohlraum aufspannen. Diese erfordern statt 16 das Sprungtuch haltenden Menschen nur noch 2 Einsatzkräfte, die während des Einsprungs auch nicht durch den Aufprall des springenden Menschen gefährdet werden. Beim Einsprung in das Sprungpolster kann die Luft aus dem Hohlraum durch die Löcher in den Folien nicht so schnell entweichen, so dass der Aufschlag abgedämpft wird. Diese Sprungpolster sind die Ultima Ratio, wenn aufgrund der Zugänglichkeit oder notwendigen Rüstzeit eine Leiter nicht verwendet werden kann, z.B. in Hinterhöfe
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