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Brandschutz und Krisenvorsorge

Brandprävention,  Krisenvorsorge, Risiken erkennen und richtiges Verhalten im Brandfall.

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Brandrisiko elektrischer Küchengeräte
und wirksame Gegenmaßnahmen
Autor: Dr.  Matthias Münch


Kurzfassung:

Dieser Artikel erläutert, warum ausgeschaltete Elektrogeräte mit Heizelementen durch einpolige Geräteschalter weiterhin unter Spannung stehen und plötzlich in Brand geraten können. Sie erfahren, wie sich dieses Risiko durch die konsequente Netztrennung mittels zweipolig schaltender Steckdosen wirksam vermeiden lässt. Zudem erhalten Sie praktische Hinweise zur Berechnung elektrischer Leistungsgrenzen von Mehrfachsteckdosen und Stromkreisen, um Überlastungen beim gleichzeitigen Betrieb mehrerer elektrischer Großverbraucher zu verhindern.

Immer wieder erreichen uns Berichte darüber, dass ausgeschaltete elektrische Küchengeräte plötzlich in Brand geraten. Ob Wasserkocher oder Kaffeepadmaschine, die Betreiber waren sich sicher, dass die Geräte ausgeschaltet und nicht in Betrieb waren.

Worin liegt die Ursache für diese Brände und was kann man dagegen tun?

Küchengeräte Toaster und Wasserkocher

Die abgebildeten Elektrogeräte sind schadenfrei  und dienen nur der Illustration.

‍1. Warum können ausgeschaltete Küchengeräte brennen?

Es ist nicht ungewöhnlich, das sich elektrische Küchengeräte mit Heizelementen, wie Toaster, Wasserkocher oder Kaffeemaschinen, im laufenden Betrieb entzünden können.

  • Das verbaute Heizelement in einem Toaster führt bestimmungsgemäß zu einer starken Hitzeentwicklung, damit der Toast auf der Oberfläche geröstet wird. Sammeln sich nun beispielsweise starke Verschmutzungen und Nahrungsmittelreste im Toaster und berühren die Glühdrähte, kann es zur Entzündung kommen. 
  • Auch der Ausfall von in den Elektrogeräten verbauten thermischen Schutzelementen, wie die Endabschaltung im Toaster oder der Trockengehschutz in Wasserkochern, können zu einer starken Überhitzung und damit zum Brand des Elektrogerätes führen.

Das sich aber die genannten Elektrogeräte auch im ausgeschalteten Zustand entzünden können, ist dann doch erklärungsbedürftig. Die Ursache für diese Brände der ausgeschalteten Elektrogeräte liegt in einem kleinen aber wichtigen technischen Detail. Doch der Reihe nach. Alle diese elektrischen Elektrogeräte hatten Folgendes gemeinsam:

  • die Elektrogeräte waren ausgeschaltet, aber mit Ihrem Schutzkontakt-Netzstecker an einer Steckdose angeschlossen und
  • die Elektrogeräte verfügten über ein elektrisch betriebenes thermisches Heizelement.

Ursache für die Brandentwicklung war jeweils ein technischer Defekt im Inneren des Elektrogerätes, der von Außen nicht wahrgenommen werden konnte. Tatsächlich waren die Elektrogeräte zwar ausgeschaltet und nicht in Betrieb, aber eben nicht spannungsfrei. Das heißt, im Elektrogerät selbst lag die Netzspannung an.
Der Grund hierfür ist, dass in der Regel in den Elektrogeräten einpolige Geräteschalter verbaut sind. Einpolig schaltende Geräteschalter schalten nur eine der beiden Stromkreis-Leitungen. An welcher dieser beiden Leitungen die Netzspannung anliegt entscheidet sich durch die Art, wie der Netz-Gerätestecker von uns in die Steckdose gesteckt wurde. Wird nun die spannungsführende Leitungsader vom Geräteschalter durch den Schaltvorgang nicht unterbrochen, liegt im Elektrogerät weiter die volle Netzspannung an. Auch wenn es nicht in Betrieb ist.
Hat das Elektrogerät nun im Inneren einen technischen Defekt, kann es zu einem Stromfluß über den sogenannten Schutzleiter (oft auch PE-Leiter genannt) mit erheblicher Erwärmung und damit zum Brand kommen. 


Was kann man dagegen vorbeugend tun?

‍2. Geräte sicher vom Stromnetz trennen

2-polig schaltbare Mehrfachsteckdose
2-polig schaltende Steckdose

‍Werden nun an derartige zweipolig schaltende Mehrfachsteckdosen die üblichen, für das Frühstück verwendeten Elektrogeräte (wie z.B. Kaffeemaschine, Wasserkocher oder Toaster) angeschlossen, kann mit dem Schaltvorgang an der Mehrfachsteckdose ein sicherer, spannungsfreier Zustand all dieser Elektrogeräte beim Verlassen der Wohnung hergestellt werden.

  • Fehlerstrom-Schutzschalter
    Eine präventive technische Möglichkeit gegen Fehlerströme über den PE-Leiter ist der Einbau eines Fehlerstrom-Schutzschalters (sogenannter FI-Schalter) im Sicherungskasten. Der Einbau dieser Technik in alle Steckdosen-Stromkreise einer Wohnung ist allerdings erst seit Februar 2009 vorgeschrieben. Gerade Altbauten werden daher in der Regel nicht über dieses zusätzliche Schutzelement verfügen.
    Der FI-Schutzschalter überwacht kontinuierlich den Stromfluß in den bestimmungsgemäß stromführenden elektrischen Leitern des Stromkreises. Entsteht eine Differenz, weil z.B. der Strom über ein defektes Gerät in den Schutzleiter oder den menschlichen Körper abfließt, erkennt der FI-Schutzschalter diesen Fehlerstrom. Übersteigt die Differenz den eingestellten Sollwert des Fehlerstrom-Schutzschalters, trennt der Schalter die Stromzufuhr vollständig binnen Sekunden, um lebensgefährliche Stromschläge oder eben Brände zu verhindern. Im Haushalt sind gegenwärtig Fehlerstrom-Schutzschalter mit einer Differenzbemessungstromstärke von 30 mA vorgeschrieben. Bei dem beschriebenen Szenario würde daher der Fehlerstrom-Schutzschalter die Stromzufuhr im gesamten Steckdosen-Stromkreis abschalten.
    Die Funktionbereitschaft des Fehlerstrom-Schutzschalters lässt sich mit Hilfe des im Bild erkennbaren Tasters (Aufdruck T) testen. Wird dieser Taster gedrückt, wird im Schalter ein Fehlerstrom erzeugt, der die Differenzbemessungsstromstärke überschreitet. Der Fehlerstrom-Schutzschalter muss dann das Sicherungselement auslösen und den Stromkreis stromlos schalten. Durch manuelles Rückschalten des Sicherungshebels wird der Strom im Stromkreis dann wieder hergestellt.

    Der Fehlerstrom-Schutzschalter kann allerdings nicht verhindern, dass ein nicht in Verwendung befindliches Elektrogerät aufgrund eines technischen Defektes der thermischen Endabschaltung in Brand gerät. Hier hilft nur die allpolige Netztrennung durch Ziehen des Netzsteckers oder eine zweipolig schaltbare Steckdose.


Fehlerstrom-Schutzschalter in einer Wohnung mit 30 mA Differenzstrombemessung

Ob sehr leistungsstarke Elektrogeräte zeitgleich an einer Mehrfachsteckdose betrieben werden, muss also wohl überlegt sein. Es ist auch keine wirklich gute Idee, die Leistungsgrenzen von technischen Elektrogeräten dauerhaft voll auszureizen.

Grundsätzlich lässt sich merken, alle Elektrogeräte die heizen oder irgendetwas erwärmen gehören zu den größeren Stromverbrauchern.  Derartige Elektrogeräte sollten nicht an alten, nicht überprüften Verlängerungskabeln oder Mehrfachsteckdosen betrieben werden.

‍3. Elektrische Leistungsgrenzen beachten

Der Einsatz von zweipolig schaltenden Mehrfachsteckdosen ist damit eine einfache und überschaubare Sicherheitsmaßnahme gegen derartige Inbrandsetzungen. Aber Vorsicht! 

Elektrogeräte mit Heizelementen gehören zu den größten mobilen Energieverbrauchern. Bevor nun also Kaffeemaschine, Wasserkocher und/oder Toaster an einer  Mehrfachsteckdose gemeinsam angeschlossen und gleichzeitig betrieben werden, muss vorher geprüft werden, wie hoch die Gesamtleistung der gemeinsam angeschlossenen Elektrogeräte ist. Hierzu sind die auf den einzelnen Elektrogeräten angegebenen Wattleistungen zu addieren. Die derart ermittelte Summe darf

  • die auf der Mehrfachsteckdose angegebene Maximalleistung und
  • die Gesamtleistung des Sicherungskreises der verwendeten Wandsteckdosen

nicht überschreiten. 

‍a. Leistungsgrenze der Mehrfachsteckdose

‍Der auf dem nachstehenden Bild beispielhaft abgebildete Toaster (1000 Watt) und der Wasserkocher (2200 Watt) erreichen gemeinsam fast die zulässige maximal Leistung der abgebildeten Mehrfachsteckdose (3500 Watt).
Der dritte „freie“ Steckplatz der Mehrfachsteckdose ist also gar nicht mehr so frei. Schon der Anschluss eines kleinen Eierkochers mit 350 Watt Leistung würde die zulässige maximal Leistung der Mehrfachsteckdose überschreiten. Im Zweifel sollte dieser Steckplatz dann mit einem Blindeinsatz blockiert werden.

Toaster und Wasserkocher an einer zweipolig schaltbaren Mehrfachsteckdose mit einem weiteren freien Steckplatz

‍b. Gesamtleistung des Sicherungskreises beachten

‍b. Gesamtleistung des Sicherungskreises
     beachten

‍Die zulässige Gesamtleistung der Sicherung des Stromkreises lässt sich überschlägig ermitteln, indem der auf dem Sicherungsautomaten angegebene Nennabschaltstrom (Angabe in Ampere A) mit der Netzspannung von 230 Volt multipliziert wird. Auf dem nachstehenden Bild sind 3 Sicherungen abgebildet (B16 = 16 Ampere, B13 = 13 Ampere, B10 = 10 Ampere).

Für die mit dem Toaster und dem Wasserkocher belegte Mehrfachsteckdose im obigen Beispiel ist also bereits eine Absicherung mit der mit B16 gekennzeichneten Sicherung (16 A x 230 Volt = 3.680 Watt) erforderlich. Dabei ist zu berücksichtigen, welche Elektrogeräte noch zeitgleich an diesem Sicherungskreis betrieben werden.

Leitungsschutzschalter B16, B13 und B10

‍4. Beschaffungshilfe

Leider gehört die Eigenschaft „2-polig schaltende Steckdose“ nicht zu den im Marketing besonders hervorgehobenen Produkteigenschaften der Hersteller. 


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Bei der Suche nach geeigneten schaltbaren Steckdosen wurden folgende Kriterien mit berücksichtigt:

  • GS oder VdS-Zeichen
  • Kabelleitungsquerschnitt 3G 1,5 

1-fach Einsteckdose, 2-polig schaltend, GS-Zeichen (Werbung)

Das Wichtigste auf einen Blick 

  • Ausgeschaltete elektrische Küchengeräte sind nicht zwangsläufig spannungsfrei. Es ist möglich, dass sie sich bei technischen Defekten entzünden.
  • Küchengeräte mit Heizelementen nach der Benutzung möglichst vollständig vom Stromnetz trennen. 
  • Zweipolig schaltende Steckdosen trennen 230 Volt Elektrogeräte sicher vom Stromnetz.
  • Bei Mehrfachsteckdosen darf die Gesamtleistung der angesteckten Elektrogeräte nicht die Leistungsgrenze der Mehrfachsteckdose überschreiten.
  • Regelmäßige Kontrolle und sachgerechte Nutzung kann Brandrisiken reduzieren.


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Autor: Dr.-Ing. Matthias Münch

Veröffentlicht: INURI GmbH


Erstveröffentlichung: 10.04.2023
Letzte fachliche Aktualisierung: 20.08.2026

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