Brandschutz & Krisenvorsorge
Brandprävention, Krisenvorsorge, Risiken erkennen und richtiges Verhalten im Brandfall.
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Brände lassen sich nie vollständig verhindern. Menschen machen Fehler, Technik veraltet, verschleisst oder wird nicht ausreichend gewartet. In jedem Fall ist es aber schlauer aus den Fehlern und Erfahrungen anderer zu lernen. Hierbei können statistische Daten helfen.
Das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer (IFS) führt seit 2001 Brandursachenermittlungen durch und wertet die gemeldeten Schäden aus. In besonderen Fällen schauen sich Brandursachenermittler des IFS die Schäden vor Ort an. Auf der Basis von jährlich ca. 2.000 Brandursachenermittlungen entstand die abgebildete Gesamtstatistik der Jahre 2016 bis 2025. Sie zeigt weiterhin
Elektrische Ursachen sind für ein Drittel aller Brände verantwortlich!
Grund genug sich damit genauer zu beschäftigen.
Autor: Dr. Matthias Münch
Viele Brände in Privathaushalten lassen sich auf elektrische Ursachen zurückführen. Kühlgeräte, Wäschetrockner und Mehrfachsteckdosen zählen zu den häufigsten Gefahrenquellen. Dieser Artikel analysiert die IFS-Schadenstatistik und erläutert die ursächlichen Risikofaktoren wie Dauerbetrieb, Wärmestau und elektrische Überlastungen. Sie erfahren, warum haushaltsübliche Sicherungen oft nicht vor der Inbrandsetzung von Steckdosenleisten bei Überlastung schützen, erhalten konkrete Empfehlungen zur Kontrolle sowie zur sicheren Handhabung elektrotechnischer Geräte im eigenen Haushalt.
In einem Report veröffentlichte das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung im Jahr 2022 eine genauere Untergliederung der elektrischen Brandursachen für den Privathaushalt. Hieraus ergab sich eine für manche überraschende Hitliste der häufigsten Brandverursacher:
Alle diese „Brandverursacher“ werden durch uns selbst betrieben. Allen voran die Geräte der „weißen Linie“, dass sind Kühl-, Wasch- und Trockengeräte. Die gelisteten Geräte haben zudem mindestens eine der nachfolgenden Eigenschaften:
Besonders bemerkenswert ist, dass die Mehrfachsteckdose von Platz 5 im Jahr 2018 im Jahr 2022 mittlerweile auf Platz 3 aufgestiegen war. Der Wäschetrockner hingegen fiel von Platz 1 in 2018 auf Platz 2 in 2022 ab. Laut Herrn Dr. Drews, dem IFS-Geschäftsführer, eine Folge von technischen Verbesserungen zur Steigerung der Produktsicherheit.
Was lässt sich nun daraus lernen?
Wärmekreislauf eines Kompressor-Kühlschrankes
(Bild: Wikipedia/Jahobr unter CC0)
Beispiele für übliche Leistungsbereiche typischer Elektrogeräte.
Sicherungskasten mit FI- und Leitungsschutzschaltern
Zunächst können wir erfreut feststellen, dass die Öffentlichkeitsarbeit des IFS zu Produktverbesserungen bei den Herstellern führte. Aber welche Lehren lassen sich aus der IFS-Statistik für die ganz persönliche Lebenssituation ziehen? Gibt die Reihenfolge der statistischen Daten des IFS nun die Gefährlichkeit der Geräte im Privathaushalt an? Sind Kühlschränke damit buchstäblich brandgefährlich?
Für eine derartige Betrachtung müssen die statistischen Daten in einen Gesamtkontext gesetzt werden. Auch wenn die Kühlgeräte nun auf Platz 1 gerückt sind, muss bei der Bewertung der Brandgefährlichkeit auch die Anzahl und Eigenart der elektrischen Geräte in den Haushalten berücksichtigt werden. Je mehr Geräte eines Typs dauerhaft in Betrieb sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Brand kommen kann.
Wir können sicherlich annehmen, dass es in jedem Haushalt mindestens einen Kühlschrank gibt. Dieser Kühlschrank ist das ganze Jahr rund um die Uhr in Betrieb, also 24/7. Ferner gibt es sicherlich viel mehr Kühl- und Gefriergeräte, als z.B. Wäschetrockner (Platz 2). Im Gegensatz zu den Wäschetrocknern sind diese vielen Kühl- und Gefriergeräte auch noch kontinuierlich in Betrieb. Hingegen ist bei den Wäschetrocknern eher eine gelegentliche Inbetriebnahme anzunehmen, nämlich dann, wenn Wäsche getrocknet werden muss. Also kein Grund zur Panik, aber zur überlegten Kontrolle.
Meine brandschutztechnische Auswertung der IFS-Statistik unter Berücksichtigung der Möglichkeiten in normalen Privathaushalten führt daher zu folgenden Tipps:
Die Daten der IFS-Statistik legen uns nahe, unseren Kühl- und Gefriergeräten etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Ein schlummerndes Gefahrenpotenzial bieten die häufig weitgehend unbeachteten Mehrfachsteckdosen. Sie sind von Platz 5 auf Platz 3 aufgestiegen. Das sollte uns aufmerken lassen.
Ein Grund hierfür dürfte die zunehmende Digitalisierung unseres Lebens sein. Sowohl die Anzahl der Orte an den wir Strom brauchen, als auch die Anzahl der dort benötigten Steckplätze hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Überall brauchen wir Steckdosen, um elektrische Geräte, vor allem Rechner, zu betreiben oder die zahlreichen kleinen Helfer wie Smartphone, Tablett, E-Zigarette usw. zu laden. Die Elektroausstattung der bestehenden Wohnungen bietet hierfür jedoch bei weitem nicht genügend Wandsteckdosen. In der Folge holen wir uns zahlreiche Mehrfachsteckdosen in die Wohnungen.
Mehrfachsteckdosen werden oft als Mitnahmeware in Kaufhäusern und Baumärkten angeboten. Häufig für nur wenige Euro auf dem „Krabbeltisch“. Ein Test der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2011 ergab, dass 11 von 19 geprüften Mehrfachsteckdosen mangelhaft waren.
Nun ist der Test mittlerweile mehr als 14 Jahre alt. Die damals getesteten Mehrfachsteckdosen liegen aber mit Sicherheit auch heute noch an ihren Orten unter Schreibtischen, Schränken und Sofas. Einmal gekauft, verbleiben die Steckdosenleisten bis zum Auszug dort oder bis zum Brandereignis. Ihre Entscheidung!
Fehlendes Problembewusstsein
Die zulässige elektrische Leistung ist auf jeder Mehrfachsteckdose angegeben, aber wer kennt schon die Leistungsdaten seiner elektrischen Geräte. So nimmt das Unheil seinen Lauf und es kommt zur elektrischen Überlastung.
Aber auch unser Umgang mit den Stromkabeln ist oft recht ruppig. Nach der Devise „Was nicht passt, wird passend gemacht“, werden die Kabel in enge Radien gezwungen, gestaucht, gequetscht oder hin- und hergezogen. Jahr über Jahr vergeht und die Geräte und Kabel altern.
Wer jetzt all seine Hoffnungen auf die Sicherungen im Sicherungskasten legt, könnte böse enttäuscht werden. Diese sogenannten Leitungsschutzschalter sind auf die feste Elektroinstallation der Wohnung ausgelegt. Was an die Wandsteckdosen angeschlossen wird, geht auf unsere Kappe. Damit ist es gut möglich, dass die überlastete Mehrfachsteckdose schon aufglüht, sich der Leitungsschutzschalter aufgrund eines fehlenden elektrischen Kurzschlusses bzw. Überlastung davon jedoch noch völlig unbeeindruckt zeigt.
So ist es kein Wunder, dass es immer wieder mal Berichte von abgebrannten Häusern in unsere Medienwelt schaffen. Brandursache: eine Mehrfachsteckdose.
Rat: Unterziehen Sie Ihre Mehrfachsteckdosen einem kurzen Check
Darüber hinaus sollte beachtet werden, die handelsüblichen Schuko-Steckverbindungen nicht mit Dauerbelastungen im Bereich der maximalen Lastgrenze zu betreiben. Nach der Produktnorm VDE 0620 Teil 1 bzw. IEC 60884-1 müssen Schuko-Steckdosen die Normanforderungen nur für 1 Stunde bei einer Belastung mit 16 A erfüllen. Wer also die Leistungsgrenzen seiner Steckverbindungen über einen längeren Zeitraum ausnutzt erhöht sein Brandrisiko.
Wir sind also nicht zur Hilflosigkeit verdammt. Bereits ein wenig Prävention und Umsicht helfen Schäden gar nicht erst entstehen zu lassen. Statten Sie Ihrem Kühlschrank und Ihren Mehrfachsteckdosen doch mal wieder einen Besuch ab.
In unseren Privathaushalten sind Lithium-Ionenbatterien nicht mehr wegzudenken. Ob in Smartphone, Tablett, Notebook, Taschenlampe, der Powerbank, elektrischen Spielgeräten oder Rollern und eBikes, überall dort wo kompakte Energiespeicher gebraucht werden, kommt diese Batterietechnologie zum Einsatz.
Die hohe Energiedichte hat allerdings auch Ihre Schattenseiten. Die Lithiumtechnologie besitzt ein Brandrisiko und im Schadensfall eine Branddynamik, die mit Batterien und Akkus anderer Bauweisen nicht vergleichbar ist.
Mittlerweile berichtet das IFS, dass Brände dieser LiIonen-Speicher als typisches Schadenbild in den Brandursachenermittlungen auftreten. Mit steigenden Fallzahlen.
Aufgrund der sehr schnellen und heftigen, explosionsartigen Brandintensität, den dabei entstehenden sehr hohen Brandtemperaturen und extrem giftigen Brandgasen sind nach einer Entzündung der LiIonen-Speicher eigene Löschversuche ein gefährliches und oft unmögliches Unterfangen.
Ladevorgänge sollten daher immer
durchgeführt werden.
Mehr dazu in dem verlinkten IFS-Fachartikel „Lithium-Ionen-Akkus“
Ich danke dem Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) für die freundliche Bereitstellung der Statistikabbildungen.
Autor: Dr. Matthias Münch
Veröffentlicht: INURI GmbH
Die Symbole
INURI GmbH - Brandschutz und Gefahrenabwehr
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